Fragen und Antworten

Wie stehen Sie zur beidseitigen Entfernung der Brust?

Immer mehr Frauen überleben ein Mammakarzinom, aber damit steigt das Risiko für die kontralaterale Brust. Wir beobachten, dass sich die Anzahl von von vorbeugenden Mastektomien (Entfernung der anderen nicht erkrankten Brust)  in den USA deutlich erhöht hat, vor allem bei jüngeren Frauen mit Brustkrebs.

Über die Hintergründe diese Wandels gab es bislang nur Spekulationen. Es wurde deshalb eine Querschnittserhebung durchgeführt mit dem Ziel mehr über Kenntnisse, Entscheidungsfindung und Erfahrungen der jungen Frauen mit Brustkrebs zu erfahren (S. M. Rosenberg, et al.,Perceptions, Knowledge, and Satisfaction With Contralateral Prophylactic Mastectomy Among Young Women With Breast Cancer: A Cross-sectional Survey. Ann Intern Med. 2013; 159 (6) :373-381). Dazu wurden Daten von 550 Frauen mit Brustkrebs im Alter unter 40 Jahren mit der Diagnose Brustkrebs zwischen November 2006 und November 2010 ausgewertet. Darunter waren 123 Frauen mit einseitigen Brustkrebs, bei denen eine beidseitige Brustentfernung durchgeführt wurde. Die meisten dieser Frauen (98%) gaben an, dass  ihr Wunsch das Risiko für einen kontralateralen Brustkrebs zu verringern und die Hoffnung (94%) eine Verbesserung der Überlebensrate zu erreichen ausschlaggebend für die Entscheidung war. Und dies obwohl nur 18% glaubten nach der beidseitigen Operation wirklich länger zu überleben. Bei familiärer genetischer Belastung (BRCA1 oder BRCA2) waren die Patientinnen gut über ihr Risiko für kontralateralen Brustkrebs informiert, während Frauen ohne bekannte Mutation dieses Risiko erheblich überschätzten. Dies bedeutet, dass trotz des Wissens, dass die beidseitige Operation das Überleben nicht wirklich beeinflusst, Frauen sich dennoch für dieses Vorgehen entschieden haben.

Was sind Risikofaktoren für ein zweites Mammakarzinom in der anderen Brust?

1. Risikofaktor fortgeschrittener Lokalbefund:
Eine  Analyse aus den Jahren 1970–2006 in Schweden hatte gezeigt, dass nur ein bei Diagnose bereits fortgeschrittener Primärtumor das Risiko für ein kontralaterales sekundäres Mammakarzinom signifikant erhöht und die Prognose dann v. a. bei einem kurzen Intervall zwischen Erst- und Zweitdiagnose schlechter ist. Das wurde jetzt durch eine Studie mit 42.670 Patientinnen aus zwei Regionen in Schweden, bei denen zwischen 1992 und 2008 ein einseitiger Brustkrebs diagnostiziert worden war, bestätigt. So hatten Frauen, die bei Diagnose mehr als zehn befallene Lymphknoten aufwiesen, hatten im Vergleich zu nodal negativen Frauen ein erhöhtes Risiko für ein Brustkrebs in  der anderen Brust. Ein großer Primärtumor erhöhte das Risiko mäßig, waren aber auch Brustwand oder Haut involviert (T4), verdoppelte sich das Risiko.

2. Risikofaktor gehäuftes familiäres Auftreten ohne genetische Mutation bei frühem Erkrankungsalter:
In einer deutschen Studie wurde 3.580 Patientinnen mit einseitigem Mammakarzinom untersucht, davon 2.793 aus BRCA1/2-negativen Hochrisikofamilien. Das kumulative Risiko für ein kontralaterales Mammakarzinom im 25-Jahres follow-up beträgt 19% (95%CI 16% bis 22%) für Patientinnen aus Familien mit nicht-BRCA-assoziierten Mammakarzinomen. Dieses Risiko ist gegenüber BRCA1/2-Mutationsträgerinnen (46% bzw. 36%) signifikant niedriger. Nur ein früheres Ersterkrankungsalter ist mit einem erhöhten Risiko für ein kontralaterales Mammakarzinom verbunden. Nach 25-jähriger Beobachtungszeit entwickeln 29% (95%CI 20% bis 37%) der BRCA-negativen Patientinnen, die vor dem 40. Lebensjahr an einem Mammakarzinom erkrankt sind, ein kontralaterales Mammakarzinom verglichen mit 15% der Patientinnen (95%CI 10% bis 20%), die nach dem 50. Lebensjahr erkrankt sind. Diese Inzidenzrate entspricht etwa der bei sporadischen Mammakarzinompatientinnen.

Somit entspricht das Risiko für ein kontralaterales Mammakarzinom bei älteren Patientinnen mit familiären, nicht-BRCA-assoziierten Mammakarzinomen dem eines sporadischen Mammakarzinoms. Für diese Patientinnen stellt die prophylaktische kontralaterale Mastektomie keine adäquate präventive Maßnahme bei BRCA1/2-negativen Mammakarzinompatientinnen dar. (K Rhiem et al., Kontralaterales Mammakarzinom-Risiko bei BRCA1/2-negativen Patientinnen mit familiärer Hochrisikosituation. Senologie – Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2011; 8 – A158)

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