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20 Jahre Mammazentrum Hamburg am Krankenhaus Jerusalem

Rede von Dr. Timm C. Schlotfeldt zur Eröffnung des Symposiums “20 Jahre Mammazentrum Hamburg am Krankenhaus Jerusalem” am 24.9.2016 in Halle 424, Oberhafenquartier, Hamburg

Der heutige Tag soll zunächst einer dankbaren, vielleicht auch kritischen Rückbesinnung dienen, Raum für Betrachtungen aus verschiedenen Blickwinkeln geben, für die eine oder andere Anekdote, aber auch für Ausblicke auf Kommendes im letzten Teil.

Wir danken den Referenten und Diskutanten schon jetzt sehr und haben versucht, in dieser besonderen Halle dem Tag auch einen inhaltlich und formal besonderen Rahmen zu geben. Wir wünschen uns, dass es – ja, man kann vielleicht sagen … familiär oder informell … zugeht, da die meisten sich ja wirklich seit Jahrzehnten persönlich kennen, im „Lehrer-Schüler-Verhältnis“ geprägt sind, beruflich zusammenarbeiten, freundschaftlich verbunden sind oder sich so oder so wertschätzen.

So wollen wir in der ersten Podiumsdiskussion in Form des „Literarischen Quartett“ ohne trennenden Tische, sondern entspannt auf Sesseln und heute als „Senologisches Sextett“ einen Rückblick auf die letzten 20 Jahre und davor wagen, um zu veranschaulichen, wie es zu der aktuellen Situation in der Senologie und speziell dem Mammazentrum Hamburg kommen konnte. Hier sprechen Protagonisten von damals aus der Universitätsfrauenklinik Eppendorf und von heute im freien inspirierenden Dialog miteinander, moderiert von Frau Staubitz, der ich schon jetzt danke – und wir hoffen, dass manch Vergessenes, vielleicht Unbekanntes oder gar Spannendes dabei herauskommen wird.

Den weiteren Verlauf haben Sie bereits dem Programm entnehmen können. Ganz besonders danken möchten wir schon jetzt Christian Rach, der zunächst überrascht, dann aber doch recht spontan die „key note speech“ übernommen hat, ohne zu diesem Zeitpunkt überhaupt zu wissen, wie er eine Verbindung zwischen Kulinarik und Medizin hinbekommen wird. Lieber Herr Rach, 1000 Dank, es bleibt spannend, wir freuen uns auf Sie!

Meine Damen und Herren, das Mammazentrum Hamburg hat sich seit seiner Gründung 1996 enorm entwickelt und ist – nimmt man die Patientinnenzahlen – zum größten deutschen Mammazentrum geworden. Hier haben die Zuweiser und Patientinnen entschieden. Es wurde tatsächlich nichts strategisch am grünen Tisch geplant. Weder an unserem, noch behördlich oder in irgendeiner Form subventioniert.

Das Jahr 1993 spielt hier eine Rolle und war insofern schicksalshaft, als dass durch ein Gesetz erstmals die Niederlassungsfreiheit in einigen Fachgebieten aufgehoben wurde. So aktiv oder gar proaktiv wir Ärzte im besten Falle in unserem Job sind, so sehr neigen wir zum Abwägen oder gar Zaudern, wenn es um berufliche Veränderungen geht.

Hier wurde also eine Frist gesetzt. Eckhard Goepel war habilitiert und hatte gerade seine C3-Professur bekommen, ich eine komfortable Lebensstellung im UKE.

Die Arbeit in der Universitätsfrauenklinik machte Spaß, Prof. Maass als Direktor der Kernklinik förderte seine Oberärzte still im Hintergrund, der leitende Oberarzt Prof. Jonat ließ uns ran, wir konnten viel operieren, die Abteilungsdirektoren Prof. Stegner, Prof. Bettendorf und Prof. Frischbier waren alle national und international anerkannte Kapazitäten, die Stimmung innerhalb der Klinik war bestens, die Verwaltung störte (noch) kaum und unsere ausschweifenden Klinikfeste waren berühmt.

Dennoch beschlich uns die leise Ahnung, dass es so nicht weitergehen würde. Der Wechsel des Lehrstuhlinhabers stand an und die Dominanz der Verwaltung in den Kliniken nahm langsam zu. Dies war eine Entwicklung, die eine ärztliche Gestaltungsmöglichkeit im – aus unserer Sicht – guten Sinne deutlich einschränkte.

Während eines gemeinsamen Skiurlaubes in Klosters nahmen Eckhard Goepel und ich eine Auszeit auf der Hütte, besprachen dies alles und beschlossen, den Weg in die „Niederlassung“ zu wagen und dort unser Glück zu suchen. Geprägt durch die universitäre Medizin hatte allerdings schon das Wort „Niederlassung“ keinen hoffungsvollen Klang und „Belegbetten“ eigentlich auch nicht … !

Wir bereiteten dennoch alles incl. neu für uns gebauter Praxisräume vor und gingen einen schweren Gang zu unserem Chef Prof. Maass. Dieser war „not amused“. Damals war dies ein ungewöhnlicher Vorgang, da man als Oberarzt einer Universitätsklinik nach entsprechender Latenz fast zwangsläufig eine Chefarztposition übernehmen musste. Aber … auch dies hat sich inzwischen gewandelt: Inzwischen lassen sich sogar wohlbestallte Chefärzte nieder!

Um es kurz zu machen, wir taten das, was wir gelernt hatten und begannen neben der Praxistätigkeit mit Operationen. Und das mit dem Schwerpunkt Mamma. Hier gilt immer wieder unser Dank den uns zuweisenden Kollegen, die eingetretende Klinikpfade verließen und uns ihre Patientinnen anvertrauten. Parallel versuchten wir mit dem zunächst als Verein fungierenden Mammazentrum Hamburg die beteiligten Kollegen der Hamburger Praxen aus Diagnostik und Therapie interdisziplinär im kollegialen Austausch zusammenzuführen.

Im ersten Jahr operierten wir ca. 50 Patientinnen mit einem Mammakarzinom. Aber es wurden schnell mehr. Nach einem kurzen Intermezzo in der ehemaligen Frauenklinik Johnsallee (später Klinik am Rothenbaum) fanden wir bald unsere operative Heimat durch Vermittlung unseres Freundes und Kollegen Jan-Peter Heuer im Jerusalem Krankenhaus.

Die Patientinnen und Zuweiser waren zufrieden, es wurden noch mehr, und wir kamen bald an unsere institutionellen und persönlichen Grenzen.

2001 vereinbarten wir mit Kay Friedrichs seinen Eintritt in unsere Praxis und das Mammazentrum Hamburg. Er war damals ebenfalls Oberarzt in leitender Funktion im UKE bei Prof. Jähnicke. Und wir kannten uns schon lange privat und aus dem Studium.

Durch Kay Friedrichs wurden wir senologisch professioneller, operierten noch mehr und implementierten bald die konservative Senologie mit der Chemotherapie in unser Zentrum.

Das Diakonissen- und Krankenhaus Jerusalem wackelte wirtschaftlich schon seit Jahren. Viele Interessenten sprangen aufgrund der Komplexität dieser Institution mit seinen eigenwilligen Belegärzten ab und 2007 übernahmen wir auf Bitten des Diakoniewerkes Jerusalem und nach reiflicher Überlegung dort gemeinsam mit Harald Berninghaus (und unterstützt von dem unvergessenen Torben Freund) die wirtschaftliche Verantwortung und bauen es seitdem langsam in die jetzige interdisziplinäre Brustklinik um.

Die Zahlen stiegen weiter, der Zuweiserkreis wurde größer und die Rahmenbedingungen in den Hauptamtlichen Abteilungen vielleicht nicht unbedingt besser. Dies führte dazu, dass 2009 Prof. Carstensen und Prof. Scheidel ihre Tätigkeit als Chefärzte gegen eine Partnerschaft im Mammazentrum Hamburg tauschten. Gegenüber unserem damaligen Wechsel aus dem UKE war dies eine Veränderung auf deutlich höherem Niveau … ! Olaf Katzler kam gleich mit, ist inzwischen Partner und Anfang diesen Jahres tauschte Prof. Felix Hilpert seinen Job als Leitender Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor in der Universitätsfrauenklinik Kiel bei Prof. Walter Jonat, jetzt Prof. Nico Maass, gegen eine selbständige Tätigkeit in einer Kooperationspartnerschaft bei uns.

Weitere wichtige Personalien innerhalb des Mammazentrum Hamburg waren und sind Maria Friedrichs, die uns schon seit Beginn unserer Niederlassung zunächst an den OP-Tagen, später auch in der Praxis vertrat, Frau Prof. Pia Wülfing, die aus der Uni Münster zu uns kam und die Senologische Tagesklinik versiert und umsichtig leitet, Frau Friederike von Bismarck von der Uni Rechts der Isar in München, die onkologisch kompetent und menschlich unersetzlich das Team bereichert, Dorothee von Bülow aus Kronberg, die wir noch aus UKE-Zeiten kannten und ihre familiären Wurzel fest in der Hamburger Gynäkologie und Geburtshilfe hat, Frau Dr. Stephanie Müller-Wittig als Plastische Chirurgin und last not least Fr. Afsana Hussainzada, die uns seit einige Monaten konservativ und operativ verstärkt und hilft, das Geschlechterverhältnis etwas gerade zu rücken. Besonders sie dürfen wir heute ganz herzlich vorstellen!

Ganz besonders Erwähnen möchten ich im Namen von uns allen aber auch unsere Mitarbeiterinnen in Praxis und Klinik! Wirklich Allen sei unser großer Dank gesagt! Jeder einzelnen bringen wir besondere Wertschätzung entgegen.

Stellvertretend für sie sei unsere chronologische erste Mitarbeiterin Meike Kaminski genannt, die seit Mitte 1993 bei uns tätig ist, beginnend schon im UKE … ! Alle Abwerbungsversuche anderer Kollegen, die das Glück hatten, sie mal am Telefon erleben zu dürfen, sind fehlgeschlagen, sie ist uns – abgesehen von zwei Schwangerschaften – treu geblieben. Und unsere ebenfalls langjährigen Leitungen Stefanie Haban, die uns unermüdlich und auch an Wochenenden (das ist wahrlich nicht selbstverständlich) als Praxismanagerin organisiert und dazu mit ihrer wundervollen Stimme in der Klinikband „Gone Fishin’“ musikalische Akzente setzt. Sowie Stephanie Popp, die ebenfalls unermüdlich und nervenstark den operativen Bereich verwaltet.

Diese drei stellvertretend für wirklich alle! Es ist nur der Zeit geschuldet, dass ich nicht alle aufzähle.

Es sind neben dem Konzept eben in allererster Bedeutung die Menschen, die den Wert des Mammazentrum Hamburg und Jerusalem ausmachen!

Ich selbst stehe heute ehrlich ein wenig verwundert vor Ihnen. 20 Jahre Mammazentrum Hamburg!? All diese Entwicklungen sind tatsächlich nie strategisch geplant worden, sie sind geschehen … ! Wir haben einfach nur „unser Ding gemacht“.

Zitat:
„Mit Mitgefühl, persönlicher Zuwendung und professionellem Ansatz einen guten Job machen – darum geht es – nicht mehr, aber auch nicht weniger.“
(Herzchirurg John W. Kirklin, 1979)

Und:
Wir bleiben unzufrieden!
(aus dem Leitbild der Werbeagentur JungvonMatt)

Und noch:
„Eine der wichtigsten Lektionen im Leben ist, dass Erfolg stetig zu erzielen und nie endgültig erreicht ist. Es ist niemals erstrebenswert, vom Ende einer Periode zu sprechen, denn man steht immer am Beginn einer neuen.“
(Der Herzchirurg John W. Kirklin, 1979)

So möchte ich mit einem zuversichtlichen Blick auf eine neue Periode, die Zukunft des Mammazentrum Hamburg schließen, unseren Familien danken, dass sie uns die nötigen Freiräume gegeben haben, unseren Patientinnen und Zuweisern für ihr Vertrauen und nochmals allen Mitarbeitern und Kollegen für die gute Zusammenarbeit. Sie alle haben das Mammazentrum, wie es heute besteht, erst möglich gemacht!

Als letztes gilt mein Dank all meinen Partnern! Wir sind tatsächlich ein Team, das durch Freundschaft, dem Glauben an das Konzept, den Standort im traditionsreichen Jerusalem und den Willen eines gemeinschaftlichen Erfolges getragen ist. Wir alle arbeiten intensiv für unser Zentrum und setzen uns – jeder auf seine Art und nach Möglichkeit – für die uns anvertrauten Patientinnen und die gemeinsame Sache ein. Ob das am Schreibtisch, ein Vortrag, in der Sprechstunde, im OP oder in der Verwaltung ist. Auch das ist ein Grund, dankbar zu sein – weil nicht selbstverständlich – und zuversichtlich in die Zukunft zu schauen!

Ihnen allen heute einen informativen, aber auch unterhaltsamen Tag und später einen fröhlichen Abend!

Vielen Dank!

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